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Jugendtraining nun (fast) nicht mehr möglich. Wie erkläre ich es dem Kinde?

Ein persönlicher Kommentar.

Noch zu Beginn des Monats berichteten wir über das wiedererstrahlte Leuchten in den Augen unserer Kinder im Verein. Das Training durfte nach endlos langer Zeit in Gruppen zu 20 Kindern (bis 14 Jahre) und auf Basis eines Hygienekonzepts wieder aufgenommen werden. Ich war dort, beim Trainingsstart, und selten habe ich so viel Freude und Spaß in Kinderaugen gesehen. 

Doch dieses Leuchten, diese Freude, ist wohl nun erst einmal erloschen! Leider. Kinder -auch die Kleinsten- dürfen nun nur noch mit tagesaktuellem Corona-Schnelltest trainieren und auch die Trainingsgruppen werden halbiert. Und testen kostet Geld und Aufwand, zumindest bei mehrmaliger wöchentlicher Testung. Mehr Trainingsgruppen bedeuten einen gesteigerten Bedarf an Trainern und Trainingsflächen. Insgesamt eine Hürde für Eltern, Verein und Ehrenamtler, die kaum oder gar nicht zu stemmen ist. Verbieten und Anordnungen ist relativ simpel, das Umsetzen der Verordnung jedoch kann zur Gewissensfrage gegenüber den Kindern werden.

Denn, wie erkläre ich es denn nun dem Kinde? Was sage ich denn nun zu einem z.B. 7-jährigen Jungen und was werde ich dabei bewirken? „Kind, es war falsch, was Du noch letzte Woche getan hast! Du hast Dich und Deine Freunde in eine nicht zumutbare Gefahr gebracht, das ist nun mit recht verboten bzw. eingeschränkt worden! Und ich und der Fußballverein haben dich auch noch in das offene Messer laufen lassen. Schaue dir nur die Statistik an. Es tut mir leid.“ Oder spreche ich lieber von diesem lieben Onkel, der mittlerweile täglich im Fernsehen zu sehen ist und uns erklärt? Ach, egal.

Gesundheit steht immer ganz oben. Das gibt es keine zweite Meinung. Und doch „Ja“ und „Nein“. Ja, es liegt mir fern hiermit Kritik an der Corona-Politik zu üben und damit am Wohlbehalt für uns alle. Es muss unendlich schwer sein durch Ursache, Wirkung und nachfolgender Verordnung zu denken und zu entscheiden. Und es lehrt mich die Erfahrung eines ganzen Jahres, dass es anscheinend eh kein richtig oder falsch gibt. Nur eben Einschränkungen oder Verzicht. Aber auch Nein. Entscheidungen müssen Bestand haben und auf möglichst sicheren Füßen stehen. Nicht jeder blickt durch den wahnwitzigen Wirrwarr von heute so und morgen so noch durch. Kinder schon mal gar nicht. Und die bleiben nun auf der Strecke. Und damit auch die Eltern und die Vereine. Es herrscht Erklärungsnotstand und organisatorischer wie finanzieller Mangel. 

Im kindlichen Lernprozess steht doch das Lernen aufgrund von vertrauen üben in das eigene Handeln ganz oben. Und nun? Denkt an unsere Kinder, denkt an mentale Gesundheit und Entwicklung. Denkt auch an die Eltern und die Vereine, die nun in Ihrer Verantwortung für das übernommene Kindeswohl an Ihre Grenzen kommen. Wir alle möchten gesund bleiben und Kinder keinem unnötigen Risiko aussetzen. Doch wo ist in Kinderaugen der Unterschied zu letzter Woche? Bin ich nun krank oder mache ich krank, wenn ich mit meinen Freunden Fußball spiele? War ich nun letzte Woche böse? Sorry, ich persönlich kann das einem kleinen Kind nicht erklären. Und als Verein können wir auch den Eltern keine Erklärung anbieten, die auch die Entscheider nicht präsentiert haben. Kleinen Kindern mit Statistik und gesteigerten Inzidenzwerten zu kommen ist da eher schwierig. 

Vertrauen wir nun auf das Leben und hoffen wir alle, dass es irgendwann wieder alles besser wird und wir gesund bleiben. Mehr bleibt eh nicht und ohne kindgerechte Entscheidungen und handfeste Unterstützung der verantwortlichen Entscheider schon gar nicht. Wir haben das Jugendtraining ab heute, 29. März, vorerst einstellen müssen und ich denke, wir sind nicht der einzige Verein. Wir werden diese Woche nutzen, um mit noch mehr organisatorischen Aufwand, eigenen Mitteln und Geduld bis zum Anschlag das Leuchten in den Kinderaugen bis kommende Woche wieder zurückzugewinnen.     

Bleibt alle gesund und behaltet die Hoffnung.

Guido Stolecki, 2. Vorsitzender Dortmunder Löwen Brackel 61. e.V.